Karate in der DDR

Di, Mrz 15, 2011

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Beim Surfen durch das große, weite Internet fiel mir auf, dass viele Karatevereine auf dem Gebiet der neuen Bundesländer auch heute noch Mitglieder haben, meist sind diese auch die Übungsleiter, welche ihre ersten Karateerfahrungen bereits schon zu Beginn oder Mitte der 1980iger Jahre machten, auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Immer wieder kann man aus den Ausführungen dieser Leute herauslesen unter welchen abenteuerlichen Bedingungen und Umständen trainiert und geübt wurde.

Karate kam wohl Ende der 1960iger oder Anfang der 1970iger Jahre in die DDR. Es waren unter anderem Gastarbeiter oder junge Leute aus dem Ausland, die in die DDR kamen, um zu studieren, welche Karate mitbrachten.  Da es am Anfang kaum bekannt war, wurde es auch von den staatlichen Organen noch nicht wirklich wahrgenommen. Offizielle Kampfsportarten in der DDR waren Boxen, Ringen und natürlich Jūdō, alles selbstverständlich olympische Disziplinen. Karate war damals lediglich als System des Klassenfeindes bekannt, welches wohl im militärischen Umfeld für die Nahkampfausbildung verwendet wurde.

Mit der Zeit wurde natürlich auch der Staat auf Karate aufmerksam und fing an Karate für die Ausbildung am Ministerium für Staatsicherheit einzusetzen. Gleichwohl wurde allerdings die Ausübung von Karate bei Privatpersonen ungern gesehen und mit argwöhnischen Augen betrachtet. Karate galt als ein sehr gefährlicher Kampfsport und der Staat wollte natürlich seinen Bürgern immer einen Schritt voraus sein. Aus diesem Grund wurde Karate zum größten Teil geduldet, aber nicht gefördert. Teilweise wurde sogar mit allen möglichen Mitteln versucht, das Karatetraining von Privatpersonen zu sabotieren. Da Karate also nicht gefördert wurde, gab es weder Hallenzeiten noch die Möglichkeit Karate offiziell organisiert zu betreiben.

Das zweite Problem war, dass es natürlich auch keine offiziell bekannten Karatelehrer gab. Es blieb also dem Großteil der Karateka nichts anderes übrig, als Karate aus Büchern zu erlernen. Diese besorgte man sich entweder auf dem Schwarzmarkt oder wer Verwandte im kapitalistischen Nachbarland hatte, lies sich Karateliteratur via Westpaket zukommen. Einige nutzten auch Aufenthalte in Polen, Ungarn oder der Tschechei, um ihre Karatekenntnisse zu vertiefen, denn dort war Karate nicht unerwünscht.

Mitte der 1980iger Jahre wurde Karate zeitweilig sogar für illegal erklärt und die Ausübung unter Strafe gestellt. Aus diesem Grund trainierten die halbwegs organisierten Gruppen inkognito als Jūdō- , Kraftsport- oder sonstige Gruppen. Später wurden sogar, trotz Verbot, relativ große Lehrgänge abgehalten, ebenfalls als Jūdōlehrgänge oder ähnliches getarnt. Auch die Karategruppen wurden von Inoffiziellen Mitarbeitern der StaSi unterwandert. Dies passierte immer dann, wenn Gruppen zu groß wurden. Zum Training konnte man nicht einfach hingehen, so wie das heute der Fall ist. In der Regel wurde man von bereits eingeweihten Leuten mit zum Training gebracht.

Wie oben schon erwähnt, erkannte auch die Staatssicherheit das Potential des Karate und nutzte es zu Ausbildungszwecken. Auf Youtube habe ich hierzu eine 30minütige Reportage zu diesem Thema entdeckt. Hingeschaut und aufgepasst:

Die Anfänge waren sicherlich auf Grund der Umstände recht wüst, aber immerhin wurde ein Anfang gemacht.

In diesem Sinne.

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